Lohnt sich ein eigener Server? Vor- & Nachteile

server_128Sobald ihr etwas professioneller im euren Websites im Netz unterwegs seid, kommt der Gedanke nach einem eigenen Server auf. Hierbei stellt sich die Frage, für wen lohnt sich dieses und ab lohnt es sich? Um die Antwort vorweg zu nehmen: Für die allermeisten lohnt sich ein preiswerter Shared-Webhosting-Tarif. Kosten belaufen sich dabei zwischen 2 und 10 Euro pro Monat. Erst wenn eure Website stark gewachsen ist und ihr entsprechende Umsätze mit dieser erwirtschaftet, lohnt sich der Umstieg auf einen eigenen Server.

Hosting-Varianten in der Übersicht

Nachfolgend die typischen Hosting-Varianten in der Übersicht:

  • Shared Webhosting: Beim Shared-Hosting teilen sich mehrere Kunden einen Webserver. Dies ist die preisgünstigste und bequemste Art, eine Website online zu stellen. Ich empfehle dies Variante meinen meisten Kunden und nutze sie selber um PHP-Einfach.de, mittlerweile mit 150.000 Aufrufen pro Monat, zu betreiben. Preise beginnen ab 2 Euro pro Monat.
    • Vorteile: Kostengünstig und ihr müsst euch um nichts kümmern. Die notwendige Software ist vorhanden und der Anbieter übernimmt die technische Betreuung.
    • Nachteile: Ihr teilt die Rechenleistung des Servers mit anderen Kunden, dadurch kann es zu häufigen Überlastungen oder zu langsameren Ladezeiten kommen. Ebenso könnt ihr keine weitere Server-Software installieren, wie z.B. andere Datenbanksysteme etc.
    • Fazit: Shared-Hosting-Tarife sind meine Empfehlung für kleinere bis mittel große Websites (bis 100.000 – 500.000 Aufrufe pro Monat)
  • Virtueller Server (vServer): Bei einem vServer erhaltet ihr einen virtuellen Server, d.h. ein (physikalischer) Server betreibt mehrere, unabhängige Betriebssystem, die zumeist auf Linux basierend. Ihr könnt euch von extern per SSH auf diesen Server aufschalten und dort z.B. einen Webserver oder Datenbankserver installieren. Einstiegs vServer kosten ab 4 Euro pro Monat.
    • Vorteile: Ihr habt die volle Flexibilität und könnt jede Server-Software eurer Wahl installieren.
    • Nachteile: Ihr seid komplett für die Installation und Wartung des Servers verantwortlich. Bei Serverabstürzen müsst ihr manuell eingreifen. Sicherheitsupdates müssen von euch installiert werden. Bei vServer teilt ihr euch wie bei Shared Hosting-Angeboten die Kapazitäten des physikalischen Servers, dadurch kann es zu erheblichen Performance-Einbüßen kommen.
    • Fazit: Diese Variante kann ich nur Geeks und Tüftlern empfehlen, die gerne preisgünstig einen eigenen Server zum basteln haben wollen. Oder um Webdienste zu betreiben, die es bei Shared Hosting-Anbietern selten gibt, wie z.B. Node.Js-Applikationen o.ä.
  • Dezidierter Root-Server: Hier erhaltet ihr einen kompletten Server, auf dem ihr beliebige Software installieren könnt. Kosten beginnen ab ca. 30 Euro pro Monat.
    • Vorteile: Maximale Performance, die Ressourcen werden nicht mit anderen Kunden geteilt. Ebenso habt ihr die volle Flexibilität und könnte jede Server-Software eurer Wahl installieren.
    • Nachteile: Wie bei den vServern seid ihr komplett für die Administration des Servers verantwortlich. Und dies kein leichter Job.
    • Fazit: Dezidierte Server lohnen sich, wenn ihr die notwendige Expertise habt und ihr euch im Notfall auch 365 Tage im Jahr um diesen kümmern könnt.

Vorteile eines eigenen Servers

Ein eigener Server bringt die folgenden Vorteile mit sich:

  • Performance
    Da ihr den Server nicht mehr mit anderen Kunden wie beim Shared Hosting-Angebot teilt, erhaltet ihr mit einem eigenen Server die volle Performance. Oftmals resultiert dies in kürzeren Ladezeiten.
  • Weniger Überlastungen & Ausfallszeiten
    Ein Problem im Shared-Hosting-Bereich können Überlastungen sein. Da die Ressourcen des Servers geteilt werden, kann ein einzelner Kunde zu einer Überlastung des gesamten Servers verursachen, z.B. indem suboptimale Anwendungen laufen oder ein hohes Besucheraufkommen hat. Natürlich blöd, wenn eure Seite deswegen nicht mehr zu erreichen ist. Auch muss es im Shared-Hosting-Bereich für Ausfälle nicht unbedingt nur einen Schuldigen geben, in besuchsstarken Uhrzeiten, z.B. Nachmittags und früher Abend, erhalten typischerweise alle Kunden des Servers mehr Besucher und dementsprechend kann es zu verlangsamten Antwortzeiten oder gar zu Ausfallzeiten kommen.
  • Flexbilität
    Je nach Server-Angebot ist deutlich flexibler bzgl. der zur Verfügung stehenden Server-Software. Im Shared-Hosting-Bereich ist die Auswahl oft recht begrenzt. Bei guten Managed Servern ist das Spektrum deutlich größer und bei dezidierten Root-Servern könnt ihr jede beliebige Software installieren.
  • Sicherheit
    Ein Managed Server, richtig gemanaged, erhöht die Sicherheit eurer Seite. Zum einen stellen die anderen Kunden eines Shared Hosting-Angebots potentiell eine Gefahr dar. Zum anderen können die Websites anderer Kunden Ziel von Denial-of-Service (DoS) Angriffen werden. Bei einem DoS-Angriff versuchen Angreifer den Server zu überlasten, du das häufige Aufrufen der Website. Da ihr den Server euch teilt, ist eure Website auch von so einem Angriff betroffen.

Nachteile eines eigenen Servers

Die Administration von Servern erfordert sehr viel Expertise und kann sehr arbeitsintensiv sein, ihr müsst z.B. bei jedem Absturz entsprechend eingreifen und das System wieder zum laufen bekommen. Ebenso seid ihr für die Wartung des Servers zuständig sowie den Schutz vor Angreifern.

Da ein Server ohne die Expertise recht arbeitsintensiv ist, bieten viele Anbieter Managed Server an. Bei Managed Servern habt ihr die komplette Rechenleistung des Servers und aller der damit verbundenen Vorteile: Schnellere Antwortzeiten und weniger Überlastungen des Servers. Um das Management des Servers kümmert sich allerdings der Anbieter, d.h. auf dem Server ist entsprechende Software wie ein Webserver und ein Datenbankserver vorinstalliert. Bei Ausfällen oder Störungen kümmert der Anbieter sich um die Behebung. Allerdings könnt ihr bei Managed Servern meistens keine oder nur sehr eingeschränkt eigene Server-Software installieren.

Neben den Managed Server sieht man in neuester Zeit immer mehr Managed vServer-Angebote. Hierbei erhaltet ihr einen vServer, der vom Anbieter verwaltet wird. Diese Angebote lohnen sich allerdings nur, wenn diese eine garantierte CPU- und RAM-Leistung besitzen. Ohne diese garantierte Leistung ist die Qualität ansonsten genauso gut bzw. schlecht wie bei Shared Webhosting-Angeboten. Sofern euch der Anbieter also nicht präzise Aussagen über garantierte Rechenleistungen gibt, würde ich von Managed vServer lieber Abstand nehmen und auf einen echten Managed Server setzen.

Ab wann braucht man einen Managed Server?

Diese Frage ist nicht ganz leicht zu beantworten. Für die meisten Nutzer ist ein Shared Webhosting-Angebot absolut ausreichend. Auch für meine Projekte nutze ich entsprechende Shared Hosting Tarife.

Einen eigenen Managed Server empfiehlt sich, wenn ihr einen signifikanten Umsatz mit eurer Seite erzielt oder wenn die Anforderungen eurer Seite zu hoch sind für Shared Hosting Tarife.

Solltet ihr einen signifikanten Umsatz mit eurer Seite erzielen, z.B. durch den Betrieb eines Online-Shops einige tausend Euro pro Monat verdienen, so empfehle ich den Umstieg auf einen eigenen Managed Server. Amazon fand heraus, dass bereits eine längere Ladezeit von nur 100ms zu einem Umsatzverlust von 1% führt. Auch andere Seiten, wie z.B. Google oder Mozilla Firefox, haben einen starken Zusammenhang zwischen der Ladegeschwindigkeit und der Anzahl der Seitenaufrufe ermitteln können. Schnelle Websites machen beim Surfen deutlich mehr Spaß, dementsprechend bleibt der Besucher länger auf Seiten die sich schnell aufbauen und, im Falle eines Online-Shops, ist auch eher gewillt auf dieser Seite einzukaufen. Nicht nur Besucher danken einem schnelle Websites, auch Google rankt Webseiten mit einer guten Ladegeschwindigkeit besser in den Suchergebnissen.

Neben der schnelleren Ladezeit habt ihr mit Managed Servern auch weniger das Problem von Überlastungen und Serverausfällen, die euch sämtlichen Umsatz rauben. Manche berichten, dass ihre Seitenaufrufe um 10% gestiegen sind durch den Umstieg auf einen Managed Server. Macht ihr also ausreichend Umsatz mit der Website, sollte man die Kosten eines Managed Servers in Kauf nehmen. Da mehr an Umsatz wird dies ausgleichen.

Ein weiterer Grund für einen eigenen Server kann sein, dass eure Website entweder sehr Ressourcen-Intensiv ist oder über ein hohes Besucheraufkommen verfügt. In diesen Fällen sind die Ressourcen von Shared-Hosting-Angeboten oft zu begrenzt, um eure Website reibungslos laufen zu lassen. Bei einer gewöhnlichen Content-Website, z.B. basierend auf WordPress, würde ich ab ca. 200.000 Seitenaufrufen im Monat über einen Umstieg auf einen Managed Server nachdenken. Davor, sofern ihr nicht extrem Ressourcenintensive Anwendungen habt, solltet ihr mit einem Shared-Hosting-Tarif gut bedient sein.

Welche Eigenschaften sind bei Managed Servern wichtig?

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Die Anwendungsgebiete für einen Managed Server sind vielfältig. Ich nachfolgenden gehe ich davon aus, dass ihr diesen für den Betrieb einer (gewöhnlichen) Website verwendet wollt, z.B. zum Betreiben eines Magento Webshops. Hierbei sind die wichtigsten Kriterien (sortiert nach Wichtigkeit):

  • Kompetente Server-Administratoren
    Die beste CPU oder der meiste Arbeitsspeicher hilft nicht, wenn die Server-Administratoren des Anbieters nicht in der Lage sind, einen schnellen, sicheren und hoch-verfügbaren Webserver zu betreiben und zu warten. Das genutzte System auf dem Server sollte entsprechend abgesichert sein und auf Performance optimiert sein. Ebenfalls sollte der Anbieter schnell auf Störungen reagieren, um einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten.
    Leider lässt sich die Kompetenz von außen nur sehr schwierig beurteilen. Große und ggf. günstigere Anbieter müssen nicht schlechter sein als kleinere Anbieter, da Personalkosten einen nicht unerheblichen Kostenblock darstellen. Lange Zeit war es eine Daumenregel dass 1 System-Admin ca. 40 Server managen konnte. Durch Standardisierung und immer weitere Optimierungen haben die großen Namen (IBM, Microsoft, Google, Facebook) diese Ratio immer weiter nach oben getrieben und es wird teilweise von 1000 bis 2000 Servern je System-Admin berichtet. Von Google wird berichtet, dass auf einen System-Admin mehr als 10,000 Server kommen. Kostet ein System-Admin mit Nebenkosten 5000 Euro im Monat, so muss jeder Server-Kunde entsprechend 125 Euro / Monat Personalkosten tragen. Bei einer Ratio von 10,000 Servern, wie bei Google, wären es nur 0,50 Euro / Monat die ihr als Personalkosten finanzieren müsstet.
    Leider lässt sich dieses Kriterium vor dem Kauf nur schwer überprüfen. Ich würde deswegen auf kurze Vertragslaufzeiten schauen und bei Problemen einen entsprechenden Umzug erwägen. Ebenfalls kann es sich lohnen zu schauen, welche Hoster die erfolgreiche Websites nutzen: Die beliebtesten Webhoster erfolgreicher Websites.
  • Arbeitsspeicher
    Eine der wichtigsten technischen Kriterien bei der Wahl eines Managed Servers ist der zur Verfügung stehende Arbeitsspeicher. Durch mehr Arbeitsspeicher kann euer sofern Server, sofern richtig konfiguriert (siehe Punkt 1), einen erheblichen Performance-Boost erhalten. Ist der Server richtig konfiguriert, so kann die Datenbank wichtige Tabelle und Tabellen-Indizes im Arbeitsspeicher bereit halten. Ebenso kann der PHP Cache verwendet werden und die fertig kompilierten PHP-Files im Arbeitsspeicher bereit gehalten werden. Da hierbei der Zugriff auf die langsame Festplatte entfällt, könnt ihr so eine extreme Beschleunigung erzielen. Idealerweise passen sämtliche PHP-Files und eure Datenbank komplett in den Arbeitsspeicher.
  • CPU
    Nach dem Arbeitsspeicher, ist die Rechenleistung die zweit wichtigste Komponente. Da ein Server tendenziell parallel mehrere Aufrufe abarbeiten musst, ist es besonders vorteilhaft, wenn der Server mehrere CPUs / mehrere CPU-Kerne besitzt. So kann die Arbeit der verschiedenen Aufrufe bequem über die verschiedenen Kerne verteilt werden. Die Taktfrequenz der einzelnen Kerne ist dann eher nachrangig.
  • Festplatte
    Viele Anbieter werben mit besonders großen Festplatten im Terrabyte-Bereich. Sofern ihr den Server allerdings nicht nutzt um große Dateien, z.B. große Filmdateien, zu hinterlegen, dann bringt euch der Festplattenplatz relativ wenig. Wie im Artikel Wichtigste Kriterien für guten Webspace erläutert, ist der Speicherbedarf für viele Websites deutlich geringer als man denkt. Selbst große Webshops kommen oft mit 10GB Speicherplatz ganz gut hin. Viel wichtiger als die Größe der Festplatte ist die der Typ der Festplatte. SSD-Festplatten bieten hier deutlich schnellere Lese- und Schreibzugriffe. Idealerweise kommt der Server aber mit ausreichend Arbeitsspeicher, um sämtliche wichtige Daten dauerhaft im Arbeitsspeicher hinterlegen zu können. In solch einem Fall ist die Lesegeschwindigkeit der Festplatte eher zweitrangig.

Kosten eines Managed Servers – Anbieter im Vergleich

Leider könnte ich Managed Server noch nicht ausführlich testen und hoffe dies nachholen zu können. Falls ihr über einen Managed Server verfügt und ihr bereit wärt diesen im kleinen Rahmen testen zu lassen, schreibt mir bitte eine E-Mail an [email protected].

Auf der Seite Die beliebtesten Webhoster erfolgreicher Websites findet ihr eine Übersicht über Hoster, die insbesondere bei Websites mit hohem Besucheraufkommen gefragt sind. Solche Websites setzen zumeist auf einen eigenen Server.

Nachfolgend findet ihr die beliebtesten Koster und deren Preis für einen Managed Server:

  • Hetzner: Managed vServer ab 58,31 Euro, Managed Server ab 99,00 Euro / Monat.
  • Host Europe: Managed vServer ab 19,99 Euro / Monat, Managed Server ab 99,00 Euro / Monat.
  • 1&1: Managed Server ab 49,99 Euro / Monat.
  • DomainFactory: Managed Server ab 99,00 Euro / Monat.
  • All-Inkl.com: Managed Server ab 99,95 Euro / Monat bzw. 79,96 Euro bei 36 Monaten Vorauszahlung.
  • Strato: Managed Server ab 29,00 Euro / Monat.
  • Mittwald: Managed vServer ab 29,99 Euro, Managed Server ab 89,99 Euro / Monat
  • Profihost: Managed Server ab 69,90 Euro / Monat
  • netcup: Managed vServer ab 39,99 Euro, Managed Server ab 267,75 Euro / Monat.

Weitere Details zu diesem Thema und auch Vergleiche der Anbieter findet ihr in unserer Kategorie Managed Server.



Disclaimer

Trotz sorgfältiger Prüfung kann für die Korrektheit der Informationen nicht garantiert werden. Insbesondere ändern sich die Preise und die Leistungsdetails bei den Anbietern regelmäßig oder es finden zeitlich begrenzte Sonderaktionen statt. Die dargestellten Informationen auf dieser Seite und die dargestellten Preise zu den verschiedenen Tarifen können also durchaus veraltet oder falsch sein. Es gelten nur die Preise und Bedingungen die ihr auf den jeweiligen Webseiten der Anbieter findet. Etwaige Rechtsansprüche sind ausgeschlossen. Sollte euch ein Fehler oder eine veraltete Information auffallen, dann schreibt bitte eine E-Mail an [email protected] und diese wird schnellst möglich behoben. Mit eurer Hilfe kann ich so die Informationen hier so aktuell wie möglich halten.

Ich habe versucht die verschiedenen Anbieter so objektiv wie möglich zu beurteilen, basierend auf den gemessenen Werten zu Erreichbarkeit und Ladezeit. Dabei habe ich keinen Anbieter gezielt bevorzugt oder benachteiligt, sondern jeder Anbieter wird im exakt gleichen Setting getestet. Die Artikel enthalten zum Teil meine persönliche Meinung, beispielsweise bei der Beurteilung verschiedener Tarife. Dies ist meine persönliche, subjektive Meinung basierend auf 10 Jahren Erfahrung im Bereich Webentwicklung. Bei Anmerkungen, Anregungen oder Fragen gerne eine E-Mail schreiben.